Start Presse Gedenken an Opfer der Pogromnacht Westfälische Rundschau, 24.10.2008

Gedenken an Opfer der Pogromnacht Westfälische Rundschau, 24.10.2008

Vor 70 Jahren – in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 – wurden die Geschäftsleute Siegmund Kniebel und Albert Bruch in ihren Wohnungen an der Jägerstraße 45 und 48 erschossen. Grund für die Morde: Bruch und Kniebel waren Juden, nur deshalb überlebten sie die Pogromnacht nicht.

Mit Erzählcafé und Schweigekreis wollen die evangelische und katholische Kirche zusammen mit der Interessengemeinschaft IGS an die Toten erinnern.

Bei dem geplanten „Erzählcafé”, das am Sonntag, den 9. November, um 15 Uhr im Paul-Gerhardt-Haus seine Pforten öffnet, sollen die Ereignisse der Schreckensnacht noch einmal vor Augen geführt werden. Dazu wollen die Veranstalter einen Dokumentarfilm zeigen, der schon in den 80er Jahren gedreht wurde und auf einem Interview mit der Tochter des ermordeten Siegmund Kniebel basiert. Auch zwei Zeitzeugen haben ihr Kommen angekündigt – einer von ihnen hat die nationalsozialistischen Ausschreitungen der Pogromnacht in Lünen erlebt. „Es wäre schön, wenn sich weitere Zeitzeugen finden, die ins Paul-Gerhardt-Haus kommen, um zu berichten”, sagt Pfarrerin Andrea Ohm. „Eine solche Veranstaltung ist sehr aufschlussreich für jüngere Leute”, sagt Dr. Ulrich Seibel von der Interessengemeinschaft Lünen-Süd. „Sie können erfahren, was damals wirklich geschah.” Auch eine moderierte Erzählrunde, ein Vortrag und musikalische Einlagen stehen am Nachmittag des 9. Novembers auf dem Programm. Von 17 bis 17.30 Uhr soll am Gedenkstein vor der Kirche der Heiligen Familie eine halbe Stunde lang geschwiegen werden – im Gedenken an die Ermordeten. Stühle und Kissen wollen die Veranstalter zu diesem Zweck bereitstellen. Um die Erinnerung an die Opfer wach zu halten, sollen im kommenden Jahr Messingtafeln in den Bürgersteig vor den ehemaligen Geschäften der beiden jüdischen Kaufleute eingelassen werden. Die Finanzierung dieser so genannten Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig will die IGS übernehmen. Die Tafeln könnten Namen, Geburtstag und Informationen zum Schicksal der Opfer enthalten.

Zeitzeugen und Interessierte erhalten nähere Informationen unter (02306) 96 30 55.

Westfelische Rundschau 24. Oktober 2008, Philipp Ritter.